Verdauungsstörungen: Ein häufiges und gefährliches Problem!
Meerschweinchen und Kaninchen sind als Hausgenossen weit verbreitet und besonders bei Kindern beliebt Häufig müssen die Lieblinge aber wegen schwerer Magen-Darm­erkrankungen zum Tierarzt gebracht werden.

Ein hochspezialisiertes Verdauungssystem, das nicht alles verträgt....
In der freien Natur steht diesen kleinen Pflanzenfressern nur eine sehr karge Kost zur Verfügung. Die festen grünen Pflanzenteile wie Gras, Stängel und Blätter von Krautern sind sehr strukturreich, liefern aber wenig Energie. Um mit einer derart faserreichen und nährstoffarmen Nahrung überleben zu können, haben Meerschweinchen und Kaninchen einen hoch spezialisierten Verdauungstrakt entwickelt. Leider ist ein solch komplizierter Magen-Darmtrakt auch sehr empfindlich.



Warum ist die Verdauung so empfindlich?
Energieträger wie Fette, Stärke und Zucker sind im Gras kaum vorhanden, denn Gräser und Krauter bestehen hauptsächlich aus Zellulose und zellulose­ähnlichen Stoffen mit einer festen, faserigen Struktur. Zellulose ist aber zur Ernährung eigentlich ungeeignet, da sie für Menschen und Tiere unverdaulich ist.

Viele kleine Helferlein spalten die Zellulose
Um trotzdem ausreichend Nährstoffe aus ihrer Nahrung zu gewinnen, haben Kaninchen und Meerschweinchen in ihrem Darm Millionen von Bakterien. Diese können die Pflanzenfasern verwer­ten und liefern so den Grasfressern die lebensnotwendige Energie.

Nie ein leerer Magen - Nahrungstransport durch Nachschub
Der Magen von Kaninchen und Meerschweinchen hat keine Muskeln !!
Dies birgt eine große Gefahr, denn der Nahrungsbrei kann nur durch von oben nachkommende Nahrung weitertransportiert werden. Um dies zu gewährleisten, nehmen z.B. Meerschweinchen bis zu 80 kleine Mahlzeiten pro Tag auf. Bei Tieren, die nicht fressen, bleibt Nahrungsbrei zu lange im Magen und beginnt schon dort zu gären. Schließlich kann die gesamte Verdauung zum Erliegen kommen.

Der Blinddarm als Gärkammer Im stark vergrößerten Blinddarm befinden sich die lebenswichtigen Bakterien, die die Zellulose abbauen. Diese Bakterien brauchen einen basischen pH-Wert von 8-9, um gut zu gedeihen. Enthält die Nahrung zu viel Zucker oder Stärke, verschiebt sich dieser pH-Wert in den sauren Bereich und das Wachstum ungünstiger Darmbakterien wird gefördert. Dies führt nicht selten zu Magen- und Darmbeschwerden.

Wie füttere ich mein Kaninchen oder Meerschweinchen richtig? Ein derart kompliziertes Verdauungssystem gerät leicht durcheinander, insbesondere dann, wenn wir es zu gut mit unseren kleinen Freunden meinen und sie mit Leckerlis und gehaltvollem Futter verwöhnen. Mit ein paar einfachen Regeln können diese Pro­bleme verhindert werden. Orientieren Sie sich am besten an der natürlichen Ernährung der Tiere. Kaninchen und Meerschweinchen brauchen als Grasfresser Nahrung mit einem hohen Rohfaseranteil.

Heu, Heu und noch mehr Heu...
Stellen Sie Ihrem Tier immer unbegrenzt gutes Heu zur Verfügung, es ist seine natürliche Nahrungsgrundlage! Qualitativ gutes Heu hat eine grünliche Färbung, einen aromatischen Geruch und enthält nicht zu viele kleine Anteile. Diese können im Magen aufquellen und so Probleme bereiten.

Die Zähne wachsen und wachsen ...
Die Zähne der Meerschweinchen und Kaninchen sind in der Natur starken Belastungen ausgesetzt. Um den Abrieb durch das Fressen auszugleichen, wachsen sie zeitlebens etwa 2 mm pro Woche weiter,
das wären im Jahr immerhin über 10 cm.

Werden die Zähne bei zu weicher Nahrung nicht genügend abgenutzt, wachsen sie ungleichmäßig oder werden so lang, dass die Tiere nicht mehr richtig kauen können
was schließlich auch Verdauungsprobleme zur Folge hat.

Grünfutter liefert zusätzlich Nährstoffe
Zusätzlich zum Heu sollten die Tiere frisches Grünfutter wie zum Beispiel Gras, Wiesen-Kräuter, Giersch oder Löwenzahn bekommen. Verwenden Sie aber kein nasses Futter, dieses kann im Magen gären! Sollten keine Wildpflanzen zur Verfügung stehen, sind auch Salate und strukturreiche Gemüsesorten geeignet

Leckerbissen - aber die Richtigen
Grundsätzlich kann die Futterpalette durch eine Vielzahl an Lecker­bissen ergänzt werden. So werden zum Beispiel Mohren, Apfel, Gurke oder auch Fenchel von den Tieren sehr gern genommen. Aber bedenken Sie die Körpergröße Ihres Tieres und üben bezüglich der Menge etwas Zurückhaltung - dies gilt insbesondere für weiches strukturarmes Gemüse sowie für sehr zuckerreiches Obst.

Lecker - ist nicht immer gesund ! !
Die im Handel erhältlichen Fertigfutter für Meerschweinchen und Kaninchen enthalten häufig zu fette oder zu süße Futteranteile. Diese schmecken den Tieren sehr gut und werden aus dem Futter herausgepickt. Die gesunden rohfaserreichen Nahrungsteile werden dagegen eher verschmäht. So kann es leicht zur Fehlernährung und Fettleibigkeit kommen. Besonders gefährdet sind dabei Tiere, die sich zusätzlich auch noch wenig bewegen.

Die Vorliebe von Kaninchen und Meerschweinchen für energiereiche Futterbestandteile oder - Nagersnacks- ist vergleichbar mit der Vorliebe von Menschen für Süßigkeiten: Es schmeckt, ist aber meist nicht gesund. Verwenden Sie daher möglichst rohfaserreiches Fertigfutter und benutzen es nicht als Alleinfuttermittel, sondern ergänzen Sie Heu und Grünfutter mit kleinen Mengen diesen Futters.

Was sonst noch wichtig ist ...

Stellen Sie den Tieren immer sauberes Trinkwasser in ausreichender Menge zur Verfügung, da die Tiere ihren Bedarf an Wasser nicht ausschließlich aus dem Grünfutter decken können. Futterumstellungen, zum Beispiel wenn im Frühling wieder Grünfutter in großer Menge zur Verfügung steht, sind langsam und schrittweise durchzuführen, damit sich die Bakterienflora des Darmes auf die geänderte Nahrung einstellen kann. Wird das proteinreiche Frühlingsgrün zu schnell dazu gefüttert, kann es zu Gärprozessen kommen.



Bitte beachten sie folgende Regeln:
Fertigfutter nur als Ergänzung!
Futterumstellungen langsam und vorsichtig durchführen!
Bei Verdauungsstörungen auf keinen Fall Nulldiät.
Tiere, die nicht fressen, notfalls zwangsernähren! z.B.: mit Critical-Care
Bei Erkrankungen den Tierarzt zu Rate ziehen!

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