Teebaumöl (Myrtaceae) wird sowohl in der Human – als auch in der Veterinärmedizin immer beliebter. Dies beruht nicht zuletzt auf der irrigen Annahme, dass „natürlich“ zwangsläufig „nebenwirkungsfrei“ bedeutet.

Während der letzten 10 Jahre stieg der Verkauf von Teebaumöl von rund 8 Tonnen auf 150 bis 200 Tonnen jährlich.
In Broschüren, Büchern und Anzeigen wird Teebaumöl unter anderem zur Therapie bei Akne, Schuppen und Schuppenflechte, Pilzerkrankungen, Muskelschmerzen, offenen Wunden, Rheuma, Raucherhusten und Krampfadern angepriesen.
Nicht selten wird Teebaumöl völlig verharmlosend beworben, wie das nachfolgende Zitat von einer kommerziellen Internetseite zeigt:

„Teebaumöl ist nebenwirkungsfrei, natürlich und einfach in der Handhabung. Durch die Vielfalt der Anwendungsmöglichkeiten ist es eine natürliche Alternative zu vielen speziellen Präparaten und „chemischen Keulen“.



Hochwirksame Inhaltsstoffe: Unterzieht man Teebaumöl einer Gas-Chromatographie, so erkennt man, das dieser angeblich so harmlose „Naturstoff“ ein Gemisch aus einer Vielzahl potenter, pharmakologisch hochwirksamer Substanzen (Terpene und Phenole) ist.
Beispiel einer Analyse: 2,6% a-Pinene, 1,01% Limonene, 20,42 % y-Terpinene, 3,1% a-Terpineol, 1,00% d-Cadinene, 0,10% Sabinene, 3,31% p-Cymene, 3,1% Terpinolene, 1,31% Aromadendrene, 0,5% Globulol, 8, 4% a-Terpinene, 3,3% 1.8 Cineole, 40,5% Terpinene-4-ol, 0,7% Ledene, 0,4% Viridiflorol.
Da es sich um einen Naturstoff handelt, kann die Zusammensetzung von Produkt zu Produkt und von Charge zu Charge erheblich schwanken.
Gelegentlich ist Teebaumöl auch gepanscht, wie eine Untersuchung belegt, die unter der Leitung von Prof. Hans Becker an der Universität Saarbrücken durchgeführt und in der Deutschen Apothekerzeitung veröffentlicht wurde.

Nebenwirkungen:
Gleichzeitig mit der zunehmenden Anwendung werden weltweit Nebenwirkungen bei Mensch und Tier beschrieben. Humanmediziner diagnostizieren häufig eine Kontaktdermatitis oder Allergien.
Ebenso mehren sich Vergiftungen mit Übelkeit, Durchfällen, Gleichgewichtsstörungen, Müdigkeit und Desorientiertheit bei Kleinkindern und Erwachsenen nach Einnahme von bis zu 10 ml unverdünntem Tebaumöl.

Kritikloser Einsatz:

Teebaumöl wird immer häufiger auch völlig kritiklos bei Katzen z.B. gegen Flöhe /Zecken oder Hauterkrankungen eingesetzt, ohne dass sich die Tierbesitzer über die tierartspezifischen Unverträglichkeiten beraten lassen.
Folge ist, dass immer wieder Katzen mit „Teebaumöl-Vergiftungen“ in der Tierarztpraxis vorgestellt werden. Taumeln, chronische Abmagerung, Zittern, Unruhe, Schwäche sind die nur zu gut bekannten Symptome einer Teebaumöl – Vergiftung. Nicht selten endet die Vergiftung mit Koma und Tod der Katze.
Werden vergiftete Katzen frühzeitig einem Tierarzt vorgestellt, so können sich die Tiere innerhalb zwei bis drei Tagen erholen.

Warum ist Teebaumöl für Katzen giftig?
Durch den Gehalt an Terpenen und Phenolen sind Teebaumöl und viele andere ätherische Öle (Thymian, Oregano und Zimtöle) für Katzen toxisch.
Katzen können durch die fehlende Fähigkeit zur Glucuronidierung (Verstoffwechselung) diese Verbindungen nur sehr langsam ausscheiden. Die Inhaltsstoffe des Teebaumöls reichern sich im Körper der Katze an, es kommt zur Vergiftung.

Selbst wenn Tierbesitzer ihren Katzen nur wenige Tropfen Teebaumöl auf das Fell tropfen, so können die Katzen doch bei der Fellpflege toxische Mengen aufnehmen und erkranken. Insbesondere durch die schwankenden und für den Tierbesitzer schwer zu beurteilenden Inhaltsstoffe, ist eine Anwendung bei der Katze ein unkalkulierbares Risiko und aus Gründen des Tierschutzes abzulehnen.
Selbst wenn es im Einzelfall nicht zu sichtbaren Vergiftungserscheinungen kommt, können Langzeitfolgen, insbesondere nach wiederholter Anwendung nicht ausgeschlossen werden.
Zudem stehen dem Tierarzt eine Vielzahl von zugelassenen und erprobten Arzneimitteln zur Flohbekämpfung zur Verfügung.


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