Vogelfutter: AUSGEWOGENHEIT DURCH ABWECHSLUNG



Erst schlucken, dann kauen....

Vögel verdauen ihre Mahlzeiten ganz anders als Menschen. Während wir unsere Nahrung durch Kauen zuerst mechanisch zerkleinern, dann schlucken und anschließend im Magen chemisch aufschließen, läuft es bei Vögeln genau andersherum: Körnerfressende Vögel entfernen mit ihrem Schnabel höchstens die harte Schale eines Pflanzensamens, bevor sie ihre Nahrung im Ganzen schlucken. Vom Schnabel gelangt die Mahlzeit in eine Art Zwischenlager, den Kröpf.
Dort wird sie eingeweicht und dann portionsweise in den Drüsenmagen transportiert.

Im Drüsenmagen findet die chemische Aufbereitung des Futters statt (er ist am ehesten mit unserem Magen zu vergleichen).
Erst im Muskelmagen, der sich dem Drüsenmagen anschließt, wird das Futter fein zermahlen. Dabei helfen kleine Steinchen, der sogenannte Grit, den die Vögel zuvor aufgenommen haben.
Danach wird der fein zermahlene und chemisch aufgeschlossene Nahrungsbrei in den Darm gepresst, wo ihm die Nährstoffe entzogen werden, die das Tier braucht. Die Reste der Mahlzeit landen dann schließlich in der Kloake, über die Kot und Harn des Vogels gemeinsam ausgeschieden werden.

Beim gesunden körnerfressenden Vogel lässt sich der braune oder grünliche Kot von dem weißlichen Harn genau unterscheiden. Bei Vögeln wie beispielsweise dem Beo, die vor allem Obst und Weichfutter fressen, sind die Ausscheidungen sehr weich und Kot- und Harnanteile vermischen sich leicht.

Doch Vögel fressen nicht nur Körner! Im Vogelreich ist auch jede andere Ernährungsform möglich. Es gibt Greifvögel, Aasfresser, Nektartrinker, Honigsammler, Fischer, Schneckenspezialisten, Insektenjäger, Obstesser und Allesfresser.
Im Privathaushalt findet man jedoch meist Vögel, die sich zwar nicht ausschließlich aber vorwiegend von verschiedenen Pflanzensamen (Körnern) ernähren.
Zu diesen Körnerfressern gehören viele Singvogelarten z. B. Kanarienvögel, Zebrafinken oder Prachtfinken) sowie die meisten Sittiche und Papageien (z.B. Wellensittiche, Nymphensittiche, Unzertrennliche, Graupapageien, Amazonen, Kakadus und Aras). Die nektarfressenden Loris, die auch zu den Papageien gehören, werden eigentlich nur von Fachleuten gehalten, denn die Ansprüche dieser Tiere an Nahrung und Haltung sind sehr hoch. Insgesamt sind "Weichfutterfresser" in Privathand aufgrund ihrer schwierigen Haltung und Fütterung eher selten.
Eine Ausnahme stellen die Beos dar, die wegen ihrer Fähigkeit der menschlichen Sprache nachzuahmen sehr beliebt sind.

Weniger ist mehr... Die meisten Vogelarten haben zwar unterschiedliche Fressgewohnheiten und Nahrungsansprüche, doch die Fehler, die man als Halter machen kann, sind Art übergreifend die Gleichen.
So futtern viele Vogelhalter ihre Schützlinge einfach zu üppig, gleichgültig ob es sich dabei um Kanarienvögel, Wellensittiche oder Graupapageien handelt.
Das daraus resultierende Übergewicht gehört zu den häufigsten Gesundheitsproblemen von Vögeln in Menschenobhut.
Um Übergewicht zu vermeiden, sollte man Vögel grundsätzlich restriktiv füttern, das heißt man sollte den tatsächlichen Futterbedarf der Vögel ermitteln und das Futter genau abgemessen zuteilen.

Eine Faustregel besagt, dass ein Vogel nur zwischen 10 und 20 Prozent seines Körpergewichts an Körnernahrung zu sich nehmen sollte.

Vogelart
Köpergewicht


Zebrafink
10 bis 16 g.
Kanarienvogel
12 bis 29 g.
Wellensittich
25 bis 36 g.
Schauwellensittich
bis zu 60 g.
Unzertrennliche
45 bis 70 g.
Grünwangen-Rotschwanzsittich
60 bis 80 g.
Nymphensittiche&xnbsp;
78 bis 125 g.
Goffinkakadu
221 bis 386 g.
Blaustirnamazone
275 bis 510
(meist um 400 g.)
Kongo Graupapagei&xnbsp;
380 bis 554 g.
Gelbnackenamazone&xnbsp;
480 bis 680 g.
Molukkenkakadu
240 bis 1025 g.
Gelbbrustara
800 bis 1300 g.

Quelle: Wissmann, Margaret, "How much should my bird

weight?", Bird Talk.
Der tatsächliche Energiebedarf hängt natürlich auch bei Vögeln von der Aktivität und den Lebensumständen ab.
Beispielsweise haben Zuchthennen während der Eibildung oder Elterntiere mit Nachwuchs einen höheren Energieverbrauch als Vögel, die nicht zur Zucht eingesetzt werden.

Die Futtermenge, die den Vögeln pro Tag zusteht, sollte auf zwei Mahlzeiten verteilt werden, sodass die Tiere nie lange hungern müssen.
Das restriktive Füttern hat auch den Vorteil, dass die Vögel alle Körner und nicht nur ihre Lieblingssamen fressen. Dadurch wird eine einseitige Ernährung vermieden.



Ausgewohnheit durch Abwechslung ...
Ein weiterer Fehler besteht in der einseitigen Ernährung der Tiere. Zunächst einmal sollten Vögel nur Körnermischungen erhalten, die den Ansprüchen ihrer Art genügen. Eine Mischung für Papageien ist nun mal nichts für Kanarienvögel und umgekehrt. Doch selbst die beste Samenmischung reicht zur Versorgung der Vögel mit Nähr- und Vitalstoffen nicht aus, denn die Körner sind zu arm an Eiweißen, Vitaminen und Mineralstoffen.
Hinzu kommt, dass viele Vögel die Körner nur selektiv aufnehmen, das heißt sie fressen nur was ihnen schmeckt und lassen den Rest einfach liegen. Unterstützt wird dieses wählerische Fressen, wenn die Näpfe ständig nachgefüllt werden, die Vögel also immer Futter zur freien Verfügung haben, anstatt restriktiv gefüttert zu werden.

Pelletierte Alleinfutter könnten eine Alternative zu den Körnermischungen darstellen.
Denn sie sind größtenteils ausgewogen zusammengesetzt. Leider werden sie aber von den Vögeln nicht immer akzeptiert. Darüber hinaus haben sie den Nachteil, dass sich die Tiere mit den Pellets weniger intensiv beschäftigen als mit dem Körnerfutter.

Um die Tiere mit allem zu versorgen, was sie brauchen, sollte man ihnen täglich zur Körnermahlzeit Keimfutter, Obst, Gemüse, Gräser oder Kräuter anbieten. Abwechslung bei diesen Beilagen ist sehr erwünscht, denn so wird am ehesten eine ausgewogene Ernährung erreicht.
Mit Mineralstoffen müssen die Vögel zusätzlich versorgt werden. Sehr gut geeignet sind Sepiaschalen, an denen sich die Vögel selbst bedienen können. Allerdings nehmen nicht alle Tiere dieses Angebot an. Wenn die Vögel die Sepiaschale ignorieren, ist es am besten, das Obst oder Gemüse in einem Mineralstoffpulver zu wälzen.
Denn im Körnerfutter sinkt das Mineralstoffpräparat schnell auf den Boden der Futterschale und wird dort von den Vögeln nicht aufgenommen. Als Verdauungshilfe und häufig auch als Mineralstoffquelle ist im Handel erhältlicher Grit unerlässlich.
Er wird in einem separaten Schälchen serviert oder über Obst und Gemüse gestreut.

Darüber hinaus muss der Eiweißbedarf der Vögel über handelsübliches Weich- oder Eifutter, hart gekochtes Ei, Magerquark, Hüttenkäse, Ameisenpuppen, Blattläuse oder Mehlwürmer gedeckt werden.
Große Papageien dürfen auch ruhig einmal etwas abgekochtes Hühnerfleisch fressen oder einen Knochen abnagen. Viele andere Lebensmittel, die man im Haushalt findet, können Vögeln jedoch gefährlich werden (siehe Tabelle).


Saisonale Genüsse: Eine willkommene Abwechslung im Leben ...
Frische Zweige ungespritzter Obstbäume, Weiden, Eichen oder auch von Haselnusssträuchern bieten den Vögeln nicht nur eine artgerechte Sitzgelegenheit, die Tiere beknabbern sie auch gerne.
Im Frühjahr stellen die Knospen und jungen Triebe an den Naturzweigen einen ganz besonderen Leckerbissen dar. Holunderblüten dürfen auch ungewaschen von Vögel verzehrt werden
Dass Holunderbeeren im Spätsommer und Herbst von den Vögeln gerne gefressen werden, wissen viele Halter, doch auch die Blüten im Juni und Juli sind sehr schmackhaft und enthalten viele Vitamine und Mineralstoffe.
Im Frühling und Sommer können Wildkräuter den Speiseplan der Vögel bereichern. Bekömmlich und leicht zu erkennen sind z. B. Löwenzahn, Vogelmiere, Hirtentäschel sowie Breit- und Spitzwegerich.
Im Spätsommer und Herbst ist dann Erntezeit für die verschiedensten Beeren. Neben Holunder können beispielsweise Ebereschenbeeren (Vogelbeeren), Weißdornfrüchte und Hagebutten -am besten am Zweig zum selbst pflücken"-den Vögeln angeboten werden.
Auch die Zapfen von Nadelgehölzen können nun vom Baum geerntet werden.
Die Vögel können sich stunden-lang damit beschäftigen, die winzigen Samen aus den Zapfen zu fummeln.
Man sollte die Zapfen jedoch nie vom Boden sammeln, denn in den herabgefallenen sind in der Regel keine Samen mehr, die die Vögel fressen können. Darüber hinaus sind die Zapfen am Boden verschmutzt und man könnte Krankheitserreger oder Parasiten zu den Vögeln schleppen. Beim Sammeln von Wildpflanzen, Früchten, Beeren oder Samen zur Fütterung der Vögel sollte man darauf achten, dass sie von Orten stammen, die wenig schadstoffbelastet sind. Belastet können z. B. Sammelstellen in der Nähe intensiv betriebener Landwirtschaft (Düngemittel), konventionell bewirtschafteter Obstplantagen (Pflanzenschutzmittel) oder stark befahrener Straßen (Autoabgase) sein.
Unbekannte Wildpflanzen, Beeren oder Früchte sollte man grundsätzlich nie den Vögeln anbieten, weil es sich dabei auch um giftige Pflanzen handeln könnte. Schließlich sollte die gesamte Ernte aus der Natur vor dem Verfüttern gewaschen werden.
Einzige Ausnahme stellen die empfindlichen Holunderblüten dar, sie dürfen auch ungewaschen von den Vögeln verzehrt werden.


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