Artrose: Erkennen und behandeln
Ein Grund für die Anziehungskraft von Katzen auf uns Menschen liegt sicherlich in ihrer außerordentlichen Körperbeherrschung und der Eleganz ihrer Bewegungen.

Dass jedoch viele Katzen unter chronischen Krankheiten der Gelenke leiden, ist erst seit kurzem bekannt. So leiden rund 90% aller Katzen über 12 Jahre an schmerzhafter Arthrose. Tatsächlich werden auch noch heute viele erkrankte Katzen nicht oder nicht ausreichend behandelt, weil die Tiere ihr Leiden gut zu verbergen wissen - sie zeigen keine oder kaum Symptome.
Dabei wäre es so wichtig, diese Krankheiten frühzeitig zu erkennen. Denn je eher man mit der Therapie der Gelenkerkrankungen beginnt, desto besser sind die Behandlungsergebnisse.

Mit diesem Artikel möchten wir Sie darüber informieren, wie wichtig eine uneingeschränkte Beweglichkeit für Katzen ist, welche Gelenkerkrankungen bei diesen Tieren häufig auftreten, welche Rolle chronischer Schmerz bei diesen Erkrankungen spielt, wie man ihn erkennt und mit welchen therapeutischen Maßnahmen man dem Tier helfen kann.

Eleganz - Beweglichkeit - Körperbeherrschung
Kaum ein anderes Tier fasziniert uns so durch die Eleganz und die Geschmeidigkeit seiner Bewegungen wie die Katze. Wofür Zirkusakrobaten jahrelang trainieren, ist der Katze angeboren: Ihr bewegliches Skelett erlaubt ihr Positionen einzunehmen, die einen Gummimenschen vor Neid erblassenlassen.

Besonders biegsam ist die Wirbelsäule, deren einzelne Wirbelknochen nicht so starr miteinander verbunden sind, wie beim Menschen oder bei anderen Tieren. Auch für Seiltänzer stellt die Katze ein Vorbild dar: ihr Gleichgewichtssinn ist so gut ausgebildet, dass sie mühelos auf schmalen Zäunen von Garten zu Garten spaziert - ohne je die Balance zu verlieren. Ihre Körperbeherrschung macht es möglich, dass die Tiere bei Stürzen fast immer auf ihren Füßen ankommen, weil sie in der Lage sind, sich im freien Fall um die eigene Achse zu drehen.

Auch das minutenlange bewegungslose Verharren und Lauern vor einem Mauseloch wäre ohne diese außergewöhnliche Beherrschung der Muskulatur undenkbar.

Sport-As und Kletterkönigin

Nicht nur als Akrobatin sondern auch als Sportlerin erbringt die Katze erstaunliche Leistungen.
Im Sprung können sich Katzen um das Fünffache ihrer eigenen Körperhöhe nach oben katapultieren.
Und im Weitsprung erreichen sie leicht das Sechsfache ihrer Körperlänge.

Ausdauernde Läufer sind Katzen zwar nicht, doch im Spurt erreichen sie rasch eine Geschwindigkeit von 50 km in der Stunde. Den Hund, der eigentlich schneller ist als sie und darüber hinaus über eine größere Ausdauer verfügt, hängen sie mühelos ab, indem sie einfach den nächsten Baum hinauf sausen. Denn anders als der Hund können sie auch an senkrechte Flächen nach oben klettern, solange die Oberfläche nur weich oder rau genug ist, dass sie ihre scharfen, ausfahrbaren Krallen wie Steigeisen hineinbohren können.

Schwachstelle: Gelenk
So perfekt sie auch aufgebaut sind, die Gelenke stellen die Schwachstellen im Bewegungsapparat der Katze dar. Schon die natürliche Alterung macht ihnen zu schaffen. Insbesondere der Gelenkknorpel, der bei der jungen Katze ein dickes, prall-elastisches Kissen über den Enden der Knochen bildet, leidet unter den Jahren. Er wird dünner und verliert zunehmend an Elastizität. Seine glatte, gleitfähige Oberfläche kann rau werden. Dadurch können die Knochen beim Beugen oder Strecken eines Gelenks nicht mehr mühelos aneinander vorüber gleiten, zumal auch das Schmiermittel des Gelenks, die Gelenkschmiere, bei älteren Semestern nicht mehr die gleiche Qualität aufweist.

Bei jungen Tieren ist die Gelenkschmiere äußerst zähflüssig und bildet einen dichten Film über die Gelenkknorpel.
Mit zunehmendem Alter wird die Gelenkschmiere dünnflüssiger und dadurch kann der "Gleitfilm" über dem Knorpel immer wieder einmal reißen. Dann reibt Gelenkoberfläche auf Gelenkoberfläche - was zur weiteren Abnutzung des Knorpels beiträgt. Man nennt diesen Prozess auch Degeneration und die Veränderungen der Gelenke degenerative Gelenkveränderungen

Häufiger als man denkt: Gelenkprobleme bei Katzen
Einige Studien der letzen Jahre brachten erschreckende Fakten zum Thema Gelenkerkrankungen
bei Katzen ans Licht.

So stellten Wissenschaftler fest, dass man bei 90 % aller Katzen über 12 Jahre Veränderungen der Gelenke im Röntgenbild sieht. Aber auch jüngere Katzen bleiben von Gelenkerkrankungen nicht verschont.

Bei einer weiteren Studie mit 218 Katzen im mittleren Alter von 6,5 Jahren, mussten die Tierärzte in 34 % der Fälle eine chronische Gelenkerkrankung mit bleibenden Veränderungen des Gelenks, die Arthrose, diagnostizieren.

Bei Katzen ist übrigens das Ellbogengelenk, gefolgt von Hüft- und Kniegelenk, am häufigsten von Arthrose betroffen.

Arthrosen

Arthrosen sind eine Sonderform der degenerativen Gelenkveränderungen. Typisch für eine Arthrose ist der Verlust an Knorpelgewebe, die Bildung von wildem Knochengewebe (Osteophyten) und der Umbau des Knochens.

Eine Arthrose beginnt in der Regel mit einem Knorpelschaden. Dieser bedingt eine Entzündung der Gelenkkapsel, die daraufhin anschwillt und verstärkt Gelenkschmiere (Synovia) produziert. Diese Synovia ist jedoch minderwertig. Sie ist zu dünnflüssig, um einen belastbaren Schutzfilm für den Knorpel zu bilden.

Durch die Menge an Gelenkflüssigkeit kommt es zu einem "Reizerguss", der wiederum die Gelenkkapsel anschwellen lässt: Das Gelenk wird dick, verliert seine Beweglichkeit und ist außerordentlich schmerzhaft. Der Organismus möchte die Gelenkkapsel in dieser kritischen Situation stärken und daher erzeugen bestimmte Reparaturzellen viel festes Bindegewebe, mit dem die Kapsel durchsetzt wird.
Auch die Bildung von wildem Knochengewebe ist nichts anderes als der verzweifelte Versuch des Organismus, dem kranken Gelenk zu mehr Stabilität zu verhelfen.
All diese Veränderungen können vom Körper nicht mehr rückgängig gemacht werden.

Teufelskreis des Schmerzes

Die Schmerzen, die mit der Entzündung des Gelenks verbunden sind, tragen direkt auch zur Verschlimmerung der Erkrankung bei. Denn sie veranlassen das Tier, die erkrankte Gliedmaße zu schonen.

Zu Beginn einer Verletzung oder Erkrankung ist dies auch sinnvoll. Auf Dauer schadet das Schonen dem betroffenen Gelenk und auch anderen Gelenken. Denn nur wenn das Gelenk bewegt wird, bildet die Gelenkkapsel gute, dickflüssige und zähe Gelenkschmiere. Ohne Gelenkschmiere wird der verbliebene Knorpel nicht ausreichend mit Nährstoffen versorgt. Außerdem ist die Gleitfähigkeit durch die mangelnde Schmiere im Gelenk herabgesetzt: so ist die Wahrscheinlichkeit erhöht, dass es zu weiteren Knorpelschäden kommt.

Weitere Knorpelschäden jedoch verschlimmern die Entzündung, das Tier muss noch mehr Schmerzen leiden und bewegt sich noch weniger. Darüber hinaus führt die Schonhaltung zur Schädigung anderer Gelenke, weil diese nun überbeansprucht bzw. durch die unnatürliche Haltung der Katze falsch belastet werden.

Katzen verbergen ihren Schmerz !!!

Bei vielen Katzen werden Gelenkerkrankungen erst sehr spät festgestellt.
Denn die meisten Katzen versuchen zu verbergen, dass es ihnen schlecht geht. Dieses Verhalten ist ein Erbe ihrer wilden Vorfahren: In der Wildnis nämlich ist ein krankes Tier nichts anderes als eine leichte Beute.
Kein Wunder also, dass sich unsere Katzen Schmerzen kaum anmerken lassen.
Trotzdem ändert sich das Verhalten der Katze und sie bewegt sich deutlich weniger.

Bei Katzen, die man nur ab und an sieht (Freigänger), sind diese Veränderungen jedoch nur schwer zu bemerken. Daher ist Ihre Beobachtungsgabe als Besitzer besonders gefragt.



Untersuchungsmethoden

Beim Verdacht auf eine Gelenkerkrankung wird Ihr Tierarzt Ihre Katze gründlich untersuchen, denn er muss andere Krankheiten ausschließen.
Ihre Aussagen zum Befinden Ihrer Katze sind besonders wichtig, daher wird der Tierarzt Sie intensiv befragen.
Zur Untersuchung gehören das Abtasten, Strecken und Beugen der Gelenke, das Beobachten der Katze in der Bewegung und das Anfertigen von Röntgenaufnahmen.

In bestimmten Fällen sind computertomografische oder andere spezielle Untersuchungsmethoden angezeigt, um das Problem genau zu bestimmen. Übrigens sagen die Veränderungen auf dem Röntgenbild nicht unbedingt etwas über die Schwere der Erkrankung aus.

Nur die Kombination aller Daten lässt eine sichere Diagnose zu.


Therapeutische Möglichkeiten

Leider muss gesagt werden, dass alle chronischen Gelenkerkrankungen heutzutage noch unheilbar sind, weil Schäden am Gelenkknorpel nicht rückgängig gemacht werden können, das Gelenk also nicht mehr in den Ursprungszustand zurückversetzt werden kann.

Doch der Tierarzt und Sie können eine ganze Menge dafür tun, dass sich die Krankheit nicht verschlimmert und dass sich die Katze trotz ihrer kranken Gelenke wohl fühlt.

Bei Gelenkerkrankungen kommen ganz unterschiedliche Therapien auch in Kombination - zum Einsatz: Ihr Tierarzt wird für Ihre Katze einen individuellen Therapieplan erstellen und mit Ihnen besprechen.

Entzündungshemmung und Schmerzbekämpfung

Die Hemmung von weiteren Entzündungen und die Linderung bzw. möglichst die komplette Ausschaltung von Schmerzen sind bei der Therapie von Gelenkerkrankungen von größter Bedeutung.
Denn sowohl die entzündlichen Erscheinungen als auch die Schmerzen tragen zur Verschlimmerung der Erkrankung bei.

Darüber hinaus stellen chronische Schmerzen eine Art Dauerstress für Körper und Seele dar und haben gesundheitsschädliche Auswirkungen auf Herz und Kreislauf, Atmung und Immunsystem.

Den Teufelskreis von Schmerz, Entzündung und Degeneration wird durch Gabe von schmerzmittel durchgebrochen!

Machen Sie Ihrer Katze das Leben leichter

Neben der Gabe von Medikamenten, die der Tierarzt Ihrer Katze verschrieben hat, können Sie noch eine Menge für sie tun:
In allererster Linie sollte man Katzen mit Gelenkproblemen das Leben leichter machen. Im Klartext: Übergewichtige Stubentiger sollten dringend abnehmen. Denn je leichter die Katze ist, desto weniger wird ihr Bewegungsapparat belastet.
Zur Gewichtsreduktion ist es sinnvoll, das Futter nicht nur zu reduzieren, sondern die Katze auch in Bewegung zu bringen. Dadurch wird die Muskulatur gestärkt und kann die Gelenke besser unterstützen.

Fragen Sie Ihren Tierarzt / Tierärztin nach Nahrungsergänzungsmitteln!

So können Glukosaminoglykane (wie z.B. Canosan® für Katzen ,enthalten) dem Knorpelabbau entgegen wirken, indem sie das Gelenk bestmöglich mit Nährstoffen versorgen und Aufbau- und Reparationsprozesse optimal unterstützen.

Langkettige, mehrfach ungesättigte Fettsäuren (wie z.B. in Viacutan® Plus) nehmen Einfluss auf Entzündungsprozesse und unterstützen den Organismus bei deren Bekämpfung.

Entlastung für kranke Gelenke

Entlasten kann man die Gelenke einer arthrotischen Katze auch, indem man ihre Lieblingsplätze besser erreichbar macht: zum Beispiel vor die Fensterbank einen Stuhl stellt, in den Kratzbaum mehr Etagen einbaut oder einen Fußschemel vor den Lieblingssessel stellt.

Während man große Sprünge so vermeidet, sollte man Bewegung durch Spiel oder die genannten Fütterungsmethoden jedoch fördern.
Einige Katzen mit Gelenkbeschwerden benötigen Unterstützung bei der Körperpflege. Mit einem Putzhandschuh oder einer sehr weichen Bürste kann man auch empfindliche Stellen gut pflegen. Auch der Genital- und Analbereich sollte gegebenenfalls kontrolliert und wenn nötig vorsichtig mit etwas Babyöl gereinigt werden.

Nehmen Sie sich vor allem Zeit zum Kuscheln mit Ihrer Katze. Denn sanftes Streicheln sowie behutsame Massagen wirken entspannend und Entspannung kann Schmerz nachweislich reduzieren.

Hat meine Katze Schmerzen?

Mit diesem Fragebogen möchten wir Ihnen helfen, dem Befinden Ihrer Katze besser auf die Spur zu kommen. Es sind einige Verhaltensweisen aufgelistet, die bei Schmerzen verändert sein können.


Literaturquelle: Boehringer Ingelheim, Vetmedica GmbH, 55216 Ingelheim am Rhein